Der heilige Gadaric von Morchelwald

Der heilige Moorlands

Zur Zeit der großen Pestwellen in Drakenstein, wurde ein Junge geboren, welcher gar außergewöhnlich war. Er erblickte das Licht der Welt im arg gebeutelten Torfesruh, einem kleinen Dorf an der Moorschlinge. Die Moorschlinge windet sich in trüben, schlammigen Bahnen von Nord nach Süd, wo sie sich in gurgelnden Massen und dumpfen Getöse in eine riesige Felsspalte ergießt.An eben diesem Fluss wuchs Gadaric auf, doch das kurze Glück seiner Eltern, über die Geburt ihres einzigen Kindes, verebbte schließlich im schwarzen Tod. Seit diesen Tagen musste Gadaric mit acht Jahren für sich selbst sorgen.

 

Gadaric, eher von schmächtiger Statur, suchte bei den Torfstechern, den Flößern und Holzfällern nach Arbeit, doch schon nach kurzer Zeit musste er einsehen, dass er zu schwach und zu ungelenk war, um einen der Berufe auszuführen. Von der Enttäuschung entmutigt und vom Hunger getrieben ernährte er sich schließlich nur noch von Käfern und Gewürm und hauste in einem Erdloch nahe Torfesruh. Eines Tages jedoch fand ihn der überall in Moorland geschätzte Abt „Germain der reine“ und nahm ihn zu sich in sein Kloster nach Morchelwald. So lernte er lesen, schreiben und die Gebote der acht Säulen. Von da an führte er ein glückliches Leben hinter den schweren Mauern des Klosters. 8 Jahre später wurde jedoch auch Morchelwald vom schwarzen Tod und seinen vier schwarzen Reitern – Hunger, Qual, Armut und Verderben – heimgesucht.

 

Die Bewohner von Morchelwald starben schneller als die Fliegen der Moorschlinge. Abt Germain hielt Gadaric davon ab zu den Kranken zu gehen. Doch nach 16 Monaten des Verderbens und der trostlosen Pestilenz, legten Abt Germain und seine 32Novizen die Zeichen der Ordnung ab und hörten auf zu beten. Keiner der ihren glaubte noch an Gerechtigkeit oder die acht großen Tugenden ihres Herren. Sie alle verloren sich im Irrglauben, das Ordon gar nicht existieren könne, wenn doch solch ein Leid herrscht. Und so begab es sich, dass auch die Novizen der Reihe nach verstarben. Als schließlich nur noch 16 von Germains Novizen übrig waren, entschloss sich Gadaric zu den Kranken zu eilen um ihnen Beistand zu schenken und ihren gequälten Seelen wieder den sorglosen Frieden zurückzugeben, denn sie vor der Zeit der großen Pestwellen besaßen. Abt Germain ließ ihn gewähren, auch er entdeckte dunkle Beulen unter seinen Achseln. Der demütige Gadaric, der nach einer leidvollen Kindheit doch noch so viel Glück empfangen hatte, betete nun 32 mal am Tag und legte den Kranken das Ordonsrad auf die Brust.

 

Nach 4 weiteren Tagen verstarben auch die restlichen Novizen und Abt Germain nahm sich schließlich mit einem Sprung vom Kirchturm das Leben, bevor die Pest es tun konnte. Gadaric hingegen, sah sich durch all das Leid in seinem Tun bestärkt. Der schwarze Tod konnte ihm nichts ausmachen und auch das Sterben der kranken Dorfbewohner blieb aus. Als bereits der 32. Monat – nach dem Hereinbrechen der Pestilenz –anbrach, waren die Kranken wieder gesund und auch Gadaric ward frisch und lebendig.

 

Da erschien ihm des Nachts Ordon im Traum und sprach: „Mein Sohn, du warst stets reiner als alle vor dir. Auch als du Käfer und Gewürm aßest, statt zu stehlen. Soviel Leid hast du gesehen, so vielen Menschen hast du den Glauben zurückgegeben. Der Versuchung des Zweifels hast du widerstanden. So nenne dich fortan Abt „Gadaric der reinste“ und diene dem gesamten Land als Vorbild für Glaubensstärke.“So machte man ihm zum Abt des Klosters bei Morchelwald und ließ ihn nach einem langen, erfüllten und ordonsgefälligen Leben heilig sprechen.